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Feldenkrais-Workshop mit Tjitske de Boer, Utrecht

Was wir als Babies gelernt haben -
Bewusste Erfahrung früher Bewegungsmuster

Aus neueren Untersuchungen geht immer deutlicher hervor, dass es in unserem Gehirn kein festgelegtes Programm gibt, nach dem Babies ihre Bewegungen erlernen. Die Bewegungsentwicklung erfolgt vielmehr durch Ausprobieren, durch Fehlermachen und aus Fehlern lernen, dadurch, dass etwas zufällig gelingt und Bedeutung erhält, weil es ein positives Ergebnis erbringt. Zum Beispiel kann das Rollen vom Bauch auf den Rücken oder umgekehrt zufällig dadurch passieren, dass sich der Kopf nach einem Geräusch oder einem sich bewegenden Gegenstand ausrichtet, wodurch das Baby dann „umfällt“: Wenn dies dann ein paarmal zufällig passiert, wird das Rollen zu einem Bewegungsablauf, den das Kind bewusst ausführen kann. Danach sind noch viele Wiederholungen zur Verfeinerung nötig. Alle Bewegungen des Babies, auch die scheinbar ziellosen, haben eine Funktion, z.B. das Repertoire zu erweitern, neue Verbindungen im zentralen Nervensystem zu schaffen, Muskeln zu verstärken, die bald mehr Belastung aushalten müssen, die Umsetzung der Bewegungsabsicht zu verfeinern etc.

Wenn die neu erworbenen Bewegungen leicht gehen, werden sie automatisiert, wodurch sie nicht mehr bewusst gesteuert werden. Auf diese Art und Weise hat unser Gehirn ziemlich viele Bewegungsmuster gespeichert, von denen uns weder bewusst ist, dass wir sie haben noch wie wir die Bewegungen ausführen. Auf Basis dieser automatisierten Bewegungsmuster lernen wir jedoch stets neue Fertigkeiten und motorische Verfeinerungen. Da wir sie selbst als Gewohnheiten herausbilden, können sich Unzulänglichkeiten einschleichen. Manchmal sind wir in der Phase des Einübens auch zu schnell mit uns zufrieden, so dass die Bewegung automatisiert wird, obwohl sie noch nicht leicht genug geht.

Später können durch schwierige oder stressreiche Lebensphasen auch Veränderungen im Muskeltonus (chronische Verspannungen) entstehen, so dass all diese automatisierten Bewegungsabläufe ihre Leichtigkeit verlieren. Wir bewegen uns von nun an so, als hätten wir „Gegenwind“, auch dann noch, wenn die äußeren Umstände sich längst wieder verbessert haben. In Phasen unsicherer Gesundheit können wir auch in pri9mitivere Bewegungsmuster zurück fallen, z.B. dass wir dann tapsig wie ein Kleinkind laufen, das beim Gehen die Bewegungen der Rumpfmuskulatur noch nicht verfeinert hat.
Dieser Workshop wird einige grundlegende Bewegungsmuster aus der Phase von 0-9 Monaten wie Saugen, Schauen, Rollen, zum Sitzen kommen und Kriechen zum Gegenstand haben. Die Bewegungsabläufe werden mit Hilfe von Feldenkrais-Sequenzen vorübergehend wieder ins Bewusstsein gebracht, und es wird dabei auf ihre Feinheit und Leichtigkeit geachtet. Alle Verbesserungen die erreicht werden, kommen der Basismotorik zu gute, auf der alle weiteren Bewegungen aufbauen, so dass auch hier Veränderungen beobachtet werden können.

Der Workshop ist für alle diejenigen geeignet, die sich für Bewegungslernen und das Potential der frühen Bewegungsentwicklung interessieren, sei es die eigene oder die anderer Menschen, denen sie in unterschiedlichen privaten und professionellen Kontexten begegnen.

Datum: 2.-4. Juli 2010

Zeiten: Freitag: 17 – 21 h, Samstag und Sonntag jeweils von 10-16 h

Ort: Praxis Rau/Joachim, Querstraße 2 c in Frankfurt am Main

Kosten: € 160.--

Information und Anmeldung:
Ingeborg Joachim, Hartmann-Ibach-Str. 105
60389 Frankfurt, Tel.: 069-457229